Ein Mädchen liegt am Boden und liest ein Buch – über ihr Anlaute und Reime

Phonologische Bewusstheit im weiteren und im engeren Sinn

Die Forschung unterteilt die phonologische Bewusstheit gerne in zwei Teile:

  1. Phonologische Bewusstheit im weiteren Sinn
  2. Phonologische Bewusstheit im engeren Sinn

Diese Zweiteilung macht durchaus Sinn, denn die phonologische Bewusstheit umfasst ein breites Feld an unterschiedlichen Fähigkeiten – vom Erkennen von Reimen bis hin zum Umgang mit Lauten.

Phonologische Bewusstheit im weiteren Sinn

Zur phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinn zählen Fähigkeiten, die sich auf größere sprachliche Einheiten beziehen – also Wörter. Dazu zählen bspw. folgende Aufgaben:

  • Reime erkennen
  • Reime selbst finden
  • Silben hören (also Silben klatschen oder Silbenbögen malen)

Diese Aufgaben sind vergleichsweise einfach. Wichtig ist, dass Kinder für diese Aufgaben kein Buchstabenwissen benötigen. Phonologische Bewusstheit im weiteren Sinn entwickelt sich somit schon im Vorschulalter – oft unbewusst und spielerisch mit Spielen, Kinderliedern oder Reimen.

Beispiele

  • Ein Kind hört, dass die Wörter Hund und Mund sich reimen.
  • Ein Kind kann zum Wort Turm ein Reimwort nennen
  • Ein Kind kann seinen Namen klatschen: No-ra
 

Phonologische Bewusstheit im engeren Sinn

Im engeren Sinn meint phonologische Bewusstheit die Fähigkeit, mit kleinsten sprachlichen Einheiten umzugehen – den Lauten bzw. Phonemen.

Diese Aufgaben sind deutlich schwieriger und erfordern meist ein gewisses Grundverständnis für Schriftsprache – etwa Buchstabenkenntnis oder die Erfahrung mit dem Schreiben von Wörtern.

Beispiele

  • Ein Kind erkennt, dass das Wort Hut aus den Lauten /h/ – /u/ – /t/ besteht.
  • Ein Kind kann den Auslaut von Wörtern nennen

Warum die Unterscheidung wichtig ist

Die Zweiteilug der phonologischen Bewusstheit in weiteren und engeren Sinn hat nicht nur aus fachlicher Sicht Sinn.

Die Trennung ist für die Förderung ebenso wichtig, da sie einen Fahrplan für das Üben vorgibt. So ist es nicht sinnvoll, Aufgaben der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinn mit Kindern zu üben, bevor sie Buchstabenwissen haben.

Das passiert leider viel zu oft – manche Grundschulen erwarten bereits vor dem Schuleintritt, dass Kinder Lautaufgaben (also Aufgaben im engeren Sinn) lösen können.

Vor kurzem habe ich eine Liste einer Grundschule gesehen. Darauf stand, was Kinder vor dem Schulstart können sollten – unter anderem die Laute eines Wortes benennen.

So eindeutig ist die Zweiteilung nicht

Sucht man Informationen zur phonologischen Bewusstheit, so stößt man unweigerlich auf die Zweiteilung in phonologische Bewusstheit im weiteren und engeren Sinn.

Hier möchte ich nur erwähnen, dass diese Zweiteilung nicht so eindeutig ist, wie es oft dargestellt wird. Diese Einteilung der Fähigkeiten ist sicherlich eine vereinfachte Darstellung. Manche Aufgaben kombinieren beide Bereiche, manche andere lassen sich schwer zuordnen.

Für das Üben zu Hause oder in der Schule ist diese Zweiteilung allerdings sinnvoll, da Aufgaben alters- und entwicklungsgerecht ausgewählt werden können.

Also: Auch wenn diese Zweiteilung oft genutzt wird, ist sie nicht immer eindeutig. Viele Übungen kombinieren beide Bereiche, und Kinder entwickeln die Fähigkeiten nicht stufenweise, sondern oft parallel und individuell unterschiedlich.

Trotzdem hilft die Unterscheidung, Übungen alters- und entwicklungsgerecht auszuwählen.

Wenn du wissen willst, welche Reihenfolge der Aufgaben beim Üben sinnvoll ist, dann findest du im Artikel Phonologische Bewusstheit – Übungen eine Anleitung.

Wie geht es weiter?

Portal: Phonologische Bewusstheit

Im Portal: Phonologische Bewusstheit findest du weitere Infos, Arbeitsblätter und Material.

 

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