
22. November 2025, Max
Phonologische Bewusstheit – Übungen
Phonologische Bewusstheit erleichtert Kindern das Lesen- und Schreibenlernen.
Grund genug, es zu Hause zu üben: Das geht spielerisch und benötigt wenig Zeit.
Achten musst du einzig auf die Reihenfolge der Übungen. Aber da kann ich dir helfen. In diesem Artikel findest du einen Fahrplan, wie du die phonologische Bewusstheit sinnvoll mit deinem Kind übst.
Was du beim Üben beachten musst
Bei Übungen der phonologischen Bewusstheit ist es wichtig, den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben an das Alter des Kindes anzupassen. Zu junge Kinder sind entwicklungstechnisch noch nicht in der Lage, schwierige Aufgaben zu lösen.
Die phonologische Bewusstheit entwickelt sich vom Kindergartenalter bis ins Grundschulalter. Kinder entwickeln sich im sprachlichen Bereich in dieser Zeit enorm weiter.
Daher können nicht alle Übungen zum selben Zeitpunkt durchgeführt werden. Ein Kind im Kindergarten braucht andere Übungen, als ein Kind in der 1. Klasse Grundschule. Die Forschung unterteilt die phonologische Bewusstheit deshalb in einen weiteren und engeren Sinn.
Wahlloses Üben kann somit schnell negative Auswirkungen haben. So ist Frust beim Lernen vorprogrammiert.
In diesem Beitrag erfährst du, was die Schwierigkeit der Übungen beeinflusst. Weiter unten findest du ein Stufensystem, an dem du dich beim Üben orientieren kannst.
So gelingt das Üben garantiert.
Buchstabenwissen
Die erste Frage, die du dir stellen musst, ist, ob dein Kind bereits einige Buchstaben gelernt hat.
Für Kinder, die noch keine Buchstaben können, sind nur Übungen sinnvoll, die sich durch Hören lösen lassen.
Das kann einerseits durch das Üben mit einer Bezugsperson erfolgen oder durch die bildliche Darstellung von Wörtern (z. B. das Bild eines Hundes).
In jedem Fall ist das Kind in dieser Phase auf einen Erwachsenen angewiesen, mit dem es gemeinsam üben kann. Übungsbücher oder Aufgaben, die ein selbstständiges Üben versprechen, sind nur mäßig zielführend.
Sobald das Kind erste Buchstaben erlernt, sollten diese beim Üben der phonologischen Bewusstheit zum Einsatz kommen. Es hat sich gezeigt, dass sich der Einsatz von Phonemen (Lauten) und Graphemen (Buchstaben) beim Üben der phonologischen Bewusstheit positiv auf den Lernfortschritt von Kindern auswirkt.
Vom Satz zum Phonem
Grundsätzlich kann man sagen: Je kleiner die linguistische Einheit, desto schwieriger ist die Übung. Mit Wörtern und Silben zu üben, ist einfacher als mit Phonemen. Das Üben von Phonemen ist meist erst in Verbindung mit dem Erlernen der Buchstaben in der 1. Klasse sinnvoll.
Wenn sich das Kind also im Kindergarten befindet, dann wird mit Wörtern und Silben geübt. Mit dem Übergang in die Grundschule und dem damit einhergehenden Lese- und Schreibunterricht kommen Phoneme beim Üben hinzu.
Kinder, die sich im Grundschulalter befinden und davor noch keine Übungen zur phonologischen Bewusstheit gemacht haben, sollten mit den einfachsten Übungen beginnen.
Die Art der Operation
Übungen für die phonologische Bewusstheit – dein Fahrplan
Die Übungen lassen sich entweder durch Vorsprechen, mit Bildern oder mit Wörtern erledigen. Vorsprechen solltest du bei den Übungen immer.
Mit Bildern übst du, wenn das Kind noch keine Buchstaben kann, mit Wörtern, wenn es Buchstaben kann.
Beim Üben der phonologischen Bewusstheit ist es sinnvoll, sich an diese Reihenfolge zu halten:
- Reime
- Silben
- Anlaute erkennen
- Laute heraushören
- Laute manipulieren
Stufe 1 – Reime
Mit Reimen merken Kinder, dass Wörter eine Struktur haben und nicht nur die Bedeutung eines Wortes eine Rolle spielt. Die Wörter Baum und Schaum haben von der Bedeutung her nichts gemeinsam, dennoch klingen sie ähnlich.
Kinderreime und Vorlesebücher
Noch bevor Kinder aktiv zu üben beginnen, kommen sie mit Reimen in Kontakt. Viele Kinderlieder, Abzählreime, aber auch Kinderbücher zum Vorlesen und Sprachspiele greifen auf Reime zurück. All das sind gute Möglichkeiten, dass Kinder auf Sprache und deren Form und Struktur aufmerksam werden. Der große Vorteil dabei ist, dass das Lernen nebenbei geschieht und Spaß macht.
Reime zu Wörtern finden
Das Kind hat vor sich drei Bilder (Haus, Maus, Glocke) liegen. Zunächst muss klargestellt werden, dass das Kind alle drei Bilder benennen kann. Der Erwachsene zeigt auf die Bilder und spricht die Wörter aus. Dann soll das Kind jene zwei Bilder verbinden, die sich reimen.
Sobald das Kind Buchstaben erlernt, können die Bilder mit Wörtern ergänzt werden.
Selbst Reime finden
Freude haben Kinder vor allem dann, wenn sie selbst Reime finden sollen. So kannst du dem Kind einen Satz vorgeben, es soll dabei einen zweiten Satz hinzufügen, der sich reimt.
So etwa: Dort geht ein großer Hund. Der hat einen großen Mund.
Stufe 2 – Silben
Silbenklatschen
Das Kind hört ein Wort oder sieht ein Bild davon, dann soll es die Silben klatschen, während es das Wort sagt.
Schritte und Sprünge für Silben
Kinder, die gerne springen und laufen, können für jede Silbe, die sie sagen, einen Schritt oder einen Sprung machen.
Das macht vor allem dann Spaß, wenn sie mit ihren Schritten einem Ziel immer ein kleines Stück näher kommen. Nur wer mehrere Wörter richtig in Silben zerlegt, erreicht das Ziel.
Silbenbögen malen
Kinder erhalten Bilder von Gegenständen. Ein Erwachsener spricht die Wörter zu den Gegenständen aus und stellt sicher, dass das Kind weiß, um welche Gegenstände es sich handelt. Das Kind malt dann unter die Gegenstände Silbenbögen.
Stufe 3 – Anlaute
Beginnt ein Wort mit diesem Anlaut?
Die einfachste Übung zu den Anlauten ist es, ein Wort und einen Laut zu sagen. Das Kind soll entscheiden, ob dieser Laut der Anlaut des Wortes ist.
Bsp.: Beginnt das Wort Baum mit einem O?
Isolieren des Anlauts
Du sagst dem Kind ein Wort: es soll dir den Anlaut des Wortes nennen.
Bsp.: Wald; das Kind sagt W.
Anlaut vergleichen
Du nennst dem Kind zwei Wörter und es soll entscheiden, ob der Anlaut bei beiden Wörtern gleich ist.
Bsp: Tanne, Tag; das Kind antwortet mit ja oder nein.
Bei der Wortwahl dieser Übung muss man etwas aufpassen, Anlaute können, auch wenn sie gleich sind, etwas unterschiedlich klingen. Beispielsweise wird das K bei Kuh und Kanne etwas anders ausgesprochen, da der Vokal nach dem K die Aussprache beeinflusst.
Deshalb ist es sinnvoll, bei dieser Übung Wörter auszuwählen, die auch den selben Vokal nach dem Anlaut haben.
Wörter zu einem Anlaut finden
Du nennst dem Kind einen Anlaut, dazu soll es entweder ein Wort oder so viele Wörter wie möglich finden.
Bsp.: Du nennst A, das Kind sagt Ameise.
Stufe 4 – Laute heraushören
Du nennst dem Kind ein Wort und einen Laut. Das Kind soll entscheiden, ob der genannte Laut im Wort vorkommt oder nicht. Das Kind antwortet nur mit ja oder nein.
Achtung: Bei dieser Übung darfst du nicht nach Lauten fragen, die nicht gehört werden können.
Bsp.: Du nennst das Wort Hund und fragst ob der Laut d darin vorkommt. Die Antwort ist nein.
Zwar kommt im Wort Hund der Buchstabe d vor, ausgesprochen wird dieses d jedoch als t. Das nennt sich Auslautverhärtung und sorgt dafür, dass das d wie ein t ausgesprochen wird.
Im Plural Hunde ist das d hingegen schön zu hören.
Stufe 5 – Laute manipulieren
Das Manipulieren von Lauten ist komplex und sollte erst am Ende der 1. Klasse oder für begabte Kinder zum Einsatz kommen.
Anlaut ändern
Du nennst dem Kind ein Wort (Hund), einen Laut (M) und fragst, welches Wort herauskommt, wenn das H mit dem M getauscht wird.
Silbenbasteln
Du nennst dem Kind zwei zweisilbige Wörter. Das Kind soll die erste Silbe des ersten Wortes mit der zweiten Silbe des zweiten Wortes verbinden.
Bsp.: Aus Wolke und Regen wird Wolgen.
Wie geht es weiter?
Portal: Phonologische Bewusstheit
Im Portal: Phonologische Bewusstheit findest du weitere Infos, Arbeitsblätter und Material.
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