Eltern-Kind-Tandemlesen – Illustration als Symbol für gemeinsames flüssiges Lesen.

28. Dezember 2025, Max

Leseflüssigkeit fördern im Eltern-Kind-Tandem

Viele Kinder lesen anfangs noch langsam oder stolpern über einzelne Wörter. Das ist ganz normal – kann aber schnell frustrierend werden

Das Eltern-Kind-Tandem macht es leichter: Du setzt dich neben dein Kind, und ihr lest den Text gemeinsam – halblaut, im selben Rhythmus. So fühlt sich dein Kind sicher, traut sich mehr zu und wird mit jeder Wiederholung flüssiger.

Ihr seid dabei wie ein kleines Team: Du gibst Tempo und Sicherheit, dein Kind wächst Schritt für Schritt hinein. Schon wenige Minuten täglich können einen großen Unterschied machen.

So funktioniert das Tandemlesen

Beim Tandemlesen liest du gemeinsam mit deinem Kind einen altersgerechten Text halblaut. Das bedeutet: Ihr sprecht den Text gleichzeitig, beinahe wie im Chor. Auf diese Weise spürt dein Kind, dass es nicht allein ist, und kann sich an deinem Lesefluss orientieren.

Der Text wird mehrmals gelesen – so oft, bis dein Kind ihn flüssig bewältigen kann. In der Regel sind das mindestens vier Durchgänge. Mit jeder Wiederholung fällt es leichter, schwierige Wörter zu erkennen und den Satzbau im Kopf zu behalten.

Vorbereitung und Haltung

  • Nebeneinander sitzen: Setze dich dicht neben dein Kind.
  • Finger mitführen: Zeige die Wörter mit, damit dein Kind den Überblick behält.
  • Tempo anpassen: Du passt dich an das Tempo deines Kindes an – nicht umgekehrt.

Wenn ein Fehler passiert

Kommt es zu einem Fehler, gilt eine einfache Regel:

  • Dein Kind hat etwa vier Sekunden Zeit, den Fehler selbst zu verbessern.
  • Gelingt das nicht, sprichst du das Wort korrekt vor.
  • Erkläre bei Bedarf auch die Bedeutung des Wortes.

Wiederholen statt überspringen

  • Beginnt am Anfang des Satzes erneut.
  • Lest weiter, bis entweder der nächste Fehler auftaucht oder der Textabschnitt abgeschlossen ist.

So übt dein Kind nicht nur das einzelne Wort, sondern den ganzen Satz in flüssiger Form.

Ziel des Tandemlesens

Mit dieser klaren Struktur – gleichzeitig lesen, Fehler korrigieren, Sätze wiederholen – bekommt dein Kind eine feste Orientierung. Das Eltern-Kind-Tandem verbindet Sicherheit mit Training und schafft die Grundlage dafür, dass Lesen Schritt für Schritt leichter wird.

Checkliste: So klappt Tandemlesen zu Hause

  • Text wählen: Altersgerecht, nicht zu lang, interessant für dein Kind.
  • Nebeneinander sitzen: Dein Kind fühlt sich sicher, wenn du dicht neben ihm bist.
  • Finger mitführen: Zeige jedes Wort mit – das hilft beim Mitlesen.
  • Tempo anpassen: Lies langsamer, wenn dein Kind stockt. Immer an seinem Tempo orientieren.
  • Mehrmals lesen: Einen Text 3–4 Mal wiederholen, bis er flüssig klappt.
  • Fehlerregel: Warte ca. 4 Sekunden, ob dein Kind den Fehler selbst bemerkt.
  • Korrigieren: Sprich das Wort vor, wenn es nicht selbst korrigiert. Bedeutung kurz erklären.
  • Zurück zum Satzanfang: Nach einem Fehler den ganzen Satz neu lesen.
  • Ziel: Dein Kind soll den Text sicher, flüssig und fehlerarm lesen können.

Veranschaulichung

So funktionieren Lesetandems. Die Begriffe Trainer und Sportler werden gerne verwendet, um einen Trainingscharakter zu unterstreichen. Beim Eltern-Kind-Tandem bist du logischerweise der Trainer und dein Kind der Sportler. Auch zu Hause beim Üben macht es Sinn, die Begriffe Trainer und Sportler zu verwenden.

Darstellung des Ablaufs beim Tandemlesen

Video: So funktioniert das Tandemlesen

Auf lesen.bayern.de findest du ein sehr gutes Beispielvideo, wie Lesetandems funktionieren.
Quelle: https://www.lesen.bayern.de/lesefluessigkeit/

Warum das Eltern-Kind-Tandem funktioniert

Das Eltern-Kind-Tandem ist weit mehr als gemeinsames Vorlesen. Es funktioniert deshalb so gut, weil mehrere wichtige Faktoren gleichzeitig zusammenspielen.

Ein entscheidender Punkt ist die Automatisierung. Durch die Wiederholung desselben Textes werden Wörter immer schneller erkannt. Häufige Wörter wandern in den Sichtwortschatz und müssen nicht mehr mühsam Buchstabe für Buchstabe erlesen werden.

Hinzu kommt die Sicherheit. Dein Kind liest nicht allein, sondern spürt deine Begleitung. Das gibt Halt und nimmt die Angst vor Fehlern. Fehler bleiben nicht unbemerkt, sondern werden sofort aufgegriffen. Gleichzeitig können auch unbekannte Wörter direkt erklärt werden – so wird nicht nur die Leseflüssigkeit, sondern auch das Textverständnis gefördert.

Wichtig ist außerdem deine Vorbildwirkung. Dein Kind hört, wie du Wörter richtig aussprichst, wie du betonst und welche Satzmelodie du verwendest. Es kann sich daran orientieren und übernimmt nach und nach den natürlichen Lesefluss.

Nicht zuletzt steigert Tandemlesen die Motivation. Erfolgserlebnisse stellen sich schneller ein, weil der Text mit jeder Wiederholung leichter wird. Das stärkt das Selbstvertrauen und macht Lust auf mehr Lesen.

All diese Aspekte fördern gleichzeitig die vier Bausteine der Leseflüssigkeit: Genauigkeit, Automatisierung, Geschwindigkeit und Betonung. Deshalb gilt Tandemlesen als eine der wirksamsten Methoden, um Kinder Schritt für Schritt zu sicheren und flüssigen Lesern zu machen.

Die richtige Textauswahl

Damit das Eltern-Kind-Tandem gelingt, ist die Wahl des passenden Textes entscheidend. Ein zu schwerer Text frustriert, ein zu leichter Text bringt kaum Fortschritte. Orientiere dich deshalb an folgenden Kriterien:

  • Altersgerecht: Der Text sollte zum Entwicklungsstand deines Kindes passen – weder zu einfach noch zu komplex.
  • Bekannte Wörter: Etwa 90–95 % der Wörter sollte dein Kind schon kennen. Nur so bleibt das Lesen flüssig und das Üben macht Spaß.
  • Spannende Themen: Wähle Texte, die dein Kind interessieren – z. B. Tiere, Abenteuer, Märchen oder Hobbys.
  • Kürzere Abschnitte: Lieber mehrere kleine Texte als ein langer. Das gibt schnellere Erfolgserlebnisse.
  • Abwechslung: Variiere zwischen Geschichten, Reimen und kurzen Sachtexten, damit das Lesen vielseitig bleibt.

Geeignete Materialien findest du in Schulbüchern, Kinderzeitungen oder speziell vorbereiteten Lesetexten. Auch unsere Übungsbücher zum Tandemlesen enthalten eine große Auswahl altersgerechter Texte, die genau auf diese Kriterien abgestimmt sind.

Kinder motivieren

Beim Eltern-Kind-Tandem geht es nicht nur ums Lesenüben, sondern auch darum, dass dein Kind Freude am Lesen entwickelt. Motivation ist der Schlüssel: Wenn das Üben Spaß macht, bleiben Kinder länger dran und machen schneller Fortschritte.

Das ist ein großer Vorteil des Eltern-Kind-Tandems: Das gemeinsame Lesen mit den Eltern ist für viele Kinder ein sehr angenehmes Üben.

  • Loben: Achte darauf, kleine Fortschritte sofort zu würdigen. Ein kurzes „Das hast du toll gelesen!“ wirkt Wunder.
  • Kurz und regelmäßig: Lieber jeden Tag 10–15 Minuten lesen als nur einmal pro Woche eine lange Einheit.
  • Spielerisch gestalten: Lass dein Kind Lieblingsstellen auswählen oder kleine Lesepunkte sammeln.
  • Pausen machen: Wenn dein Kind müde wird, lieber stoppen und später weitermachen.
  • Gelassen bleiben: Druck oder ständiges Korrigieren entmutigen. Geduld und positive Stimmung sind wichtiger als perfekte Lesegeschwindigkeit.

So wird das Tandemlesen nicht als Pflicht empfunden, sondern als gemeinsames Erlebnis, das euch beiden Freude macht und gleichzeitig die Leseflüssigkeit deines Kindes stärkt.

Wie geht es weiter?

Portal: Leseflüssigkeit

Im Portal: Leseflüssigkeit findest du weitere Infos, Arbeitsblätter und Material.

 

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