
Erzählung | Lesestufe 8
Vom Wind
Ben zog sich seine Kapuze tief ins Gesicht. Er war auf dem Weg in die Schule und es wütete ein heftiger Sturm. Es war so windig, dass sich die mächtigen Kronen der Kastanienbäume wie Segel aufblähten.
Eine ältere Dame eilte mit kleinen, tapsenden Schritten an Ben vorbei und beschwerte sich lautstark: „Immer dieser Wind! Immer dieser Wind! Immer, wenn ich beim Frisör war.“
Plötzlich sauste ein Regenschirm an der Dame vorbei und hätte sie beinahe gestreift. Sie schien es nicht zu bemerken.
Den Schirm verfolgend rannte ein Mann der Dame entgegen. „Immer dieser Wind! Immer dieser Wind! Immer, wenn ich einen wichtigen Termin habe“, beklagte sich der Mann und atmete schwer.
Kinder kauerten sich tief in ihre Jacken und vergruben ihre Gesichter so tief in ihnen, dass nur noch ihre Augen zu sehen waren. Männer und Frauen hielten sich ihre Arme vor das Gesicht, um sich vor dem Wind zu schützen. Kam eine kräftige Böe, mussten die Menschen ihren Körper gegen den Wind stemmen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
Als Ben in die Schule kam, beklagten sich alle: „Immer dieser Wind! Immer dieser Wind! Immer, wenn wir in die Schule müssen.“
Ben saß in seiner Klasse beim Fenster. Unentwegt blickte er nach draußen und beobachtete die große Kastanie, die dort stand.
Die erste Stunde verging, der Wind blieb. Die zweite Stunde verging, der Wind blieb. Die dritte Stunde verging, der Wind blieb. Nach der vierten Stunde blickte Ben ein letztes Mal aus dem Fenster – noch immer stürmte es und Ben machte sich auf den Nachhauseweg.
Wieder beklagten sich die Menschen: „Immer dieser Wind! Immer dieser Wind.“
Tief vergraben in seine Jacke stapfte Ben, dem Wind entgegen, nach Hause. „Immer dieser Wind!“, dachte er sich. „Immer, wenn ich in die Schule muss.“
Doch zum Glück hielt sich der Wind an diesem Tag bis zum Abend. Und Ben ließ seinen Drachen steigen, bis es dunkel wurde.