Vater und Tochter lesen gemeinsam ein Buch

28. Dezember 2025, Max

Was ist Leseverstehen?

Lass uns zuerst den Begriff klären: Textverständnis, Textverstehen, Leseverstehen meint im Grunde alles dasselbe.

Es geht darum, dass Leser verstehen, was sie lesen.

Ich verwende den Begriff Leseverstehen, weil ich so die Ebenen des Verstehens unter einem Begriff zusammenschließen kann.

Leseverstehen ist bei mir:

  • Wortverstehen
  • Satzverstehen
  • Textverstehen

Ich mache diese Einteilung, weil es für das Üben wichtig ist – und da passieren nach wie vor viele Fehler.

 

Was passiert beim Verstehen im Kopf?

Ein Text ist nur eine Reihe von Zeichen auf Papier oder am Bildschirm.

Was man früher annahm: Aufnahme

Der Leser entschlüsselt diese Zeichen und der Inhalt des Textes geht auf den Leser über. Der Leser saugt quasi das Wissen des Textes auf, wenn er den Text versteht.

Was man heute annimmt: Konstruktion

Heute sieht man das Verstehen eines Textes anders. Der Leser saugt das Wissen des Textes nicht auf, sondern das Wissen des Textes verschmilzt quasi mit dem Wissen des Lesers.

Auf den ersten Blick mag diese Unterscheidung für den Alltag und die Praxis unwichtig wirken. Aber die heutige Ansicht unterstreicht, wie wichtig der Leser ist.

Das heißt also: Kein Text hat eine fixe Gesamtinformation, die man beim Lesen herauskitzelt. Der jeweilige Leser nimmt das Wissen aus einem Text mit, das er haben will.

Leser und Text verschmelzen klingt kitschig – aber im Grunde verbinden sich Vorwissen und Absicht des Lesers mit den Informationen des Textes.

In der Leseforschung nennt man das, den Aufbau eines mentalen Modells. Das ist das, was beim Lesen entsteht, wenn man etwas Neues lernt – oder umgangssprachlich einfach Leseverstehen.

Warum Leseverstehen oft als Ziel des Lesenlernens gilt

Am Anfang des Lesenlernens ist vieles noch Technik: Buchstaben erkennen, Wörter zusammenziehen, flüssiger lesen. Das ist nötig – aber der eigentliche Sinn des Lesens ist langfristig: Texte verstehen, nutzen und darüber nachdenken.

Das Für-sich-Nutzen ist dabei wichtig. Das geht über das reine Verstehen eines Textes hinaus, wird aber oft zum Leseverstehen gezählt. Das wird oft als das eigentliche Ziel des gesamten Lesenlernens genannt.