
28. Dezember 2025, Max
Lautleseprotokoll
So funktionieren Lautleseprotokolle
Mit einem Lautleseprotokoll lässt sich die Leseflüssigkeit von Kindern schnell und ohne großen Aufwand erfassen.
Das Vorgehen ist einfach: Ein Kind liest einen kurzen Text eine Minute lang laut vor. Währenddessen stoppt ein Erwachsener die Zeit und notiert die Leseleistung – entweder direkt auf einer zweiten Kopie des Textes oder auf einem leeren Blatt Papier.
Die Notizen folgen einem festen Schema:
- Jedes richtig gelesene Wort wird mit einem Haken markiert.
- Jedes falsch gelesene Wort, das das Kind nicht selbstständig verbessert, erhält ein Minus.
- Jedes ausgelassene Wort wird mit einer Null gekennzeichnet.
Nach genau einer Minute setzt der Erwachsene einen senkrechten Strich an die entsprechende Stelle im Text oder in seinen Notizen. Dieser Strich zeigt an, bis wohin das Kind in der vorgegebenen Zeit gelesen hat.
Auf diese Weise entsteht ein Protokoll, das klar erkennen lässt, wie viele Wörter korrekt gelesen wurden, welche Fehler aufgetreten sind und an welcher Stelle der Text nach einer Minute abgebrochen wurde.

Die Leseflüssigkeit einschätzen
Lesegeschwindigkeit
Die Lesegeschwindigkeit wird in Wörtern pro Minute angegeben. Sie lässt sich direkt aus dem Lautleseprotokoll ablesen, indem die Anzahl der korrekt gelesenen Wörter gezählt wird.
Am Ende der 4. Klasse der Grundschule gilt als Richtwert: Kinder sollten mindestens 100 Wörter pro Minute flüssig lesen können. Wird dieser Wert deutlich unterschritten, ist die Leseflüssigkeit noch nicht ausreichend entwickelt.
Dekodiergenauigkeit
Auch die Genauigkeit des Lesens lässt sich sofort erkennen. Die Zahl der falsch gelesenen oder ausgelassenen Wörter sollte nicht mehr als 5 % des Textes betragen. Bei einem Text von 100 Wörtern sind das höchstens 5 Fehler.
Wichtig: Wenn ein Kind einen Fehler selbstständig verbessert, zählt dieser nicht als Fehler.
Automatisierung
Die Automatisierung der Dekodierung zeigt sich indirekt. Kinder mit einem hohen Automatisierungsgrad lesen schneller, machen weniger Fehler und erreichen eine höhere Wörterzahl pro Minute.
Betonung und Segmentierung
Schwieriger systematisch zu erfassen sind Betonung und Satzmelodie. Für die Praxis reicht es jedoch, das Vorlesen zu beobachten: Betont das Kind die Wörter passend? Stimmt die Satzmelodie? Hebt sich die Stimme bei Fragen am Satzende? Mit etwas Übung lässt sich so einschätzen, ob die Intonation ausreichend entwickelt ist.
Tipps für das Lautleseprotokoll
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Lautleseprotokoll anzulegen. Manche arbeiten mit einer zweiten Kopie des Textes und markieren die Wörter direkt im Text. Nachteil dieser Methode ist der höhere Aufwand bei der Vorbereitung und Auswertung.
Wird das Protokoll dagegen auf einem leeren Blatt Papier angefertigt, kann jeder beliebige Text als Grundlage dienen – zum Beispiel aus Schulbüchern, Kinderbüchern oder Zeitungen.
Hilfreich ist es außerdem, beim Anlegen der Notizen immer gleich viele Markierungen pro Zeile zu setzen. Das erleichtert die Übersicht und macht die spätere Auswertung deutlich einfacher.
Für eine genauere Einschätzung lohnt es sich manchmal, die Leseflüssigkeit nicht nur über eine einzige Minute zu messen. Längere Textabschnitte geben oft ein vollständigeres Bild. Die Berechnung der Lesegeschwindigkeit bleibt dabei gleich: Die Anzahl der korrekt gelesenen Wörter wird durch die Minutenanzahl geteilt.
Quellen und Literatur
Rosebrock, C., Nix, D., Rieckmann, C., & Gold, A. (2024). Leseflüssigkeit fördern: Lautleseverfahren für die Primar- und Sekundarstufe (8., aktualisierte Aufl.). Kallmeyer/Friedrich-Verlag.
Beobachtungsbögen
Hier findest du passende Vorlagen und Beobachtungsbögen, die dir die Umsetzung von Lautleseprotokollen erleichtern.
Wie geht es weiter?
Portal: Leseflüssigkeit
Im Portal: Leseflüssigkeit findest du weitere Infos, Arbeitsblätter und Material.
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