
Wie Lappaburga ihr Haus fand
Es war Herbst. Der Wind pfiff kalt durch die Grashalme. „Huiiii“, bibberte Lappaburga und ihre Fühler tanzten im Sturm. Lappaburga war eine Schnecke. Eine Schnecke ohne Haus, in das sie sich hätte einkuscheln können.
„Mir ist so kalt“, jammerte Lappaburga. „Ich brauche dringend ein warmes Zimmer.“
Voller Neid betrachtete Lappaburga die anderen Schnecken. Sie trugen ein ganzes Haus auf ihrem Rücken! Wie warm und gemütlich es da drinnen sein musste. Lappaburga zitterte, als sie an den Winter dachte: an den Schnee, an den Frost und an die Eiszapfen, die von ihren Fühlern hängen würden.
Doch dieser Gedanke brachte Lappaburga auf eine Idee. Nachdenklich rieb sie ihre Fühler aneinander. „Na gut!“, dachte sie. „Wenn ich kein Haus habe, dann muss ich mir eben eines bauen.“
Lappaburga kroch los, um Baumaterial zu sammeln. Zuerst fand sie eine stabile, große Baumrinde. „Das wird der Boden“, sagte sie. Darauf klebte sie mit ihrem extra-starken Schneckenschleim eine leere Streichholzschachtel. Es war toll! Gemütlich und warm und fast schon ein richtiges Zuhause.
Aber das reichte noch nicht. Lappaburga wollte hoch hinaus! Sie fand eine leere, bunte Joghurtbecher-Hälfte und setzte sie oben drauf. „Das hier wird mein Wohnzimmer“, bestimmte sie. Sie legte ein Stück weiches Moos hinein. „Mein Sofa!“ Einen flachen Kieselstein schob sie davor. „Mein Tisch!“ In die Ecke stellte sie eine leere Eichelkappe. „Das ist mein Schrank für meine Vorräte.“
Der Turm auf ihrem Rücken wuchs und wuchs. Ganz oben, mit der besten Aussicht, richtete Lappaburga ihr Schlafzimmer ein. Ihr Bett polsterte sie mit Pusteblumen-Wolle aus. So war es herrlich weich.
Bald hatte Lappaburga ein riesiges Haus auf ihrem Rücken. Mit Küche, Bad und sogar einem kleinen Balkon.
Doch als die Nacht anbrach, merkte Lappaburga, dass es im Haus sehr dunkel war. Also beschloss sie, dass ihr Haus Fenster bräuchte. Das war harte Arbeit, aber es zahlte sich aus. Jetzt konnte sie hinausschauen.
Da landete ein Glühwürmchen neugierig auf dem Dach. „Oh, hallo!“, sagte Lappaburga. „Möchtest du meine Lampe sein?“ Das Glühwürmchen leuchtete zustimmend.
Nun war das Kunstwerk fertig. Es war schief, es war bunt und es wackelte bedenklich. „Oh weh“, dachte Lappaburga. „Wenn ich loskrieche, fällt alles herunter!“
Da entdeckte Lappaburga ein Stück braunes Stoffband, das im Gras lag. „Aha!“, rief sie. Sie wickelte sich das braune Band um den Bauch und band ihren wackeligen Turm fest auf ihren Rücken. Es hielt!
Vorsichtig kroch Lappaburga los. Das Haus schwankte hin und her, aber es fiel nicht um. Sie war jetzt keine Nacktschnecke mehr. Sie war eine Bauschnecke!
