Lesetandem – gemeinsam flüssig lesen lernen

Nach dem Erlernen der Buchstaben und dem langsamen Erlesen von Wörtern, ist der Aufbau der Leseflüssigkeit das nächste große Ziel beim Lesenlernen.
Die Methode Lesetandem ist eine gute Möglichkeit, flüssig lesen zu lernen. Die Methode kann zu Hause und in der Schule problemlos eingesetzt werden. Übungsmaterial findest du hier.

Was ist ein Lesetandem?

Ein Lesetandem ist eine hervorragende Art, um flüssiges Lesen zu trainieren. Dabei lesen ein guter und ein schlechter Leser einen Text synchron laut vor. Dieses gleichzeitige Lesen des Übungstextes wird so lange wiederholt, bis der schlechte Leser den Text flüssig lesen kann.

Der schlechte Leser kann sich beim synchronen Lesen am besseren Leser orientieren, die Aussprache und die Satzmelodie können nachgeahmt werden. Durch das wiederholte Lesen des Textes prägt sich der schlechte Leser unbekannte Wörter ein, die folglich in den Sichtwortschatz gelangen.

Um die Motivation zu steigern und den Trainingscharakter der Methode hervorzuheben ist es sinnvoll, wenn die beiden Leser als Trainer und Sportler bezeichnet werden. Der gute Leser ist der Trainer, der schlechte Leser ist der Sportler.

Wie funktioniert ein Lesetandem?

Das Team aus Trainer und Sportler erhalten einen Übungstext, der für den Sportler altersgemäß ist. Beide sitzen nahe beisammen, der Trainer legt seinen Finger auf das erste Wort. Auf ein Zeichen beginnen beide gleichzeitig zu lesen.

Der Trainer führt dabei seinen Finger unter den Wörtern mit. Zu Beginn ist das synchrone Vorlesen wahrscheinlich ungewohnt, doch Trainer und Sportler sollten sich schnell aufeinander einstellen. Wichtig ist es, dass der Trainer nicht zu schnell liest, er muss sich an den Sportler anpassen.

Ziel ist es, dass der Sportler den Text ausreichend schnell und fehlerfrei vorlesen kann. Dazu wird der Übungstext von Anfang bis Ende synchron von Trainer und Sportler gelesen. Je nachdem, ob der Sportler fehlerfrei liest oder einen Fehler macht, gibt es zwei Möglichkeiten.

Wenn ein Fehler passiert

Sobald der Sportler beim Vorlesen einen Fehler macht, gibt es zwei Möglichkeiten. Zunächst wartet der Trainer etwa vier Sekunden, ob der Sportler den Fehler selbst erkennt und ihn ausbessert. Sollte dies der Fall sein, beginnen Trainer und Sportler beim Satzanfang zu lesen.

Sollte der Sportler seinen Fehler nicht ausbessern, weist ihn der Trainer nach vier Sekunden darauf hin. Nun ist es wichtig sicherzustellen, dass der Sportler das fehlerhafte Wort lernt. Der Trainer spricht es vor, damit die richtige Aussprache geübt wird. Der Sportler muss auch die Bedeutung des Wortes verstehen. Im Notfall hilft das Wörterbuch.

Der Trainer kann das fehlerhafte Wort auch unterstreichen. Sind Aussprache und Bedeutung geklärt, beginnt die Lektüre wieder beim Satzanfang und der Übungstext wird weiter gelesen bis ein weiterer Fehler auftritt oder das Ende des Textes erreicht wird.

Wichtig ist es auch, dass der Trainer den Sportler lobt, wenn dieser Fehler selbstständig ausbessert. Das ist ein wichtiger Schritt zu einer besseren Lesekompetenz. Ganz allgemein muss dem Sportler klar sein, dass Fehler beim Lesen normal sind. Wichtig ist es, diese zu erkennen und zu korrigieren.

Wenn kein Fehler passiert

Liest der Sportler einige Sätze fehlerfrei, dann beginnt der Trainer sich zurückzuziehen, bis er mit dem Mitlesen aufhört. Der Sportler liest nun alleine. Der Trainer führt seinen Finger dennoch weiter mit.

Der Sportler liest so lange alleine, bis er einen Fehler macht – dann wird so wie oben beschrieben vorgegangen – oder bis er den Text zu Ende gelesen hat.

Wie lange und wie oft üben?

Das Lesetandem liest jeden Übungstext so oft, bis der Sportler den Text flüssig lesen kann. Mindestens wird jeder Text jedoch vier Mal gelesen. Das ist wichtig, damit sich unbekannte Wörter im Sichtwortschatz einprägen.

Kann der Sportler einen Übungstext flüssig vorlesen, wird anhand eines anderen Textes geübt. Die einzelnen Übungseinheiten sollten dabei 15 Minuten nicht überschreiten, da besonders gemeinsames Vorlesen fordernd ist. Am besten du übst 3 Mal die Woche für 15 Minuten.

Wie funktioniert ein Lesetandem?

Lesetandems verbinden zweierlei Dinge, die Leseflüssigkeit trainieren: mehrmaliges Lesen und das Lesen mit einem Modell, das als Vorbild dient.

Leseflüssigkeit besteht aus mehreren Teilen:

  • Lesegeschwindigkeit
  • fehlerfreies Lesen
  • ordentliche Betonung

Eine gute Leseflüssigkeit meint somit nicht nur schnelles Lesen. Es soll auch fehlerfrei sein und beim Vorlesen müssen Wörter und Sätze ordentlich betont werden. All diese Faktoren zusammen bilden Leseflüssigkeit.

Lesetandems trainieren all diese Bereiche. Durch das wiederholte Lesen eines Textes, kommen unbekannte Wörter in den Sichtwortschatz des Sportlers. Somit steigert sich die Lesegeschwindigkeit und das fehlerfreie Lesen.

Durch den Trainer hat der Sportler beim Vorlesen Unterstützung. Der Sportler kann sich am Trainer orientieren, wie Wörter und Sätze betont werden. Bei unbekannten Wörtern zeigt der Trainer die Aussprache und erklärt die Bedeutung.

Zudem ist es für den Sportler motivierender, wenn er bei der Lektüre Unterstützung hat. Er kann Fragen stellen und unbekannte Wörter erklärt der Trainer sofort. Der Sportler kann wegen der kurzen Texte und dem mehrmaligen Lesen seinen Fortschritt unmittelbar sehen. Es ist motivierend, wenn er bei der zweiten oder dritten Lektüre über die unterstrichenen Fehler problemlos hinweg liest.

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